KungerKiez-Initiative, Berlin

Prignitz

Corona-Zeit des Wandels - Erfahrungsbericht

Ich erfuhr das erste Mal von diesem Virus, der sich in China ausbreitete beim Thai Chi Unterricht in der Umkleidekabine. Einige Frauen sprachen über das Virus. Ich hatte bis dato nicht wirklich etwas davon mitbekommen. Eine der Frauen sagte, dass sie Informationen beim RKI (Robert-Koch-Institut) abhole, da dies eine verlässliche Quelle war. Ich hörte gespannt zu, hatte aber keine Ahnung was da noch auf uns zukommen würde und welche bedeutende Rolle das RKI noch haben würde. Dies war meine erste Berührung mit diesem sog. Corona Virus.

Während ich dies schreibe, denke ich darüber nach was danach geschah und kann mich erst wieder daran erinnern, dass ich auf meiner Arbeit war (ich arbeite als Sozialarbeiterin in einem Bildungszentrum). Ich war an diesem Tag eigentlich mit meiner Schwester verabredet. Sie schrieb mir eine Nachricht, dass Sie es in Anbetracht der Dinge (Ausbreitung des Corona Virus auch in Berlin) besser fände, dass wir uns nicht treffen. Ich war etwas hin und hergerissen, ob ich diese Reaktion nicht übertrieben finden sollte, oder, ob ich die Situation unterschätze. Zeitgleich informierten die OSZ, dass die Azubis, die wir betreuen nicht mehr in die Schule dürfen. Sie schlossen aufgrund der Pandemie.

Es war ein ziemlich ereignisreicher Tag. Ich selbst hatte, weil ich mir nun auch Sorgen machte meinen Arzt(Rheumatologen) angerufen. Ich habe seit meinem 16. Lebensjahr Rheuma und nehme MTX ein. Ein Medikament, welches das Immunsystem runterfährt. Ich wollte wissen, ob ich zur Risikogruppe gehöre und auch lieber zu Hause bleiben sollte. Mein Arzt sagte, dass er von dem Virus nicht viel halte, ihn aber die Bilder in Italien beunruhigen würden. Ich schrieb eine Nachricht an das Gesundheitsamt in Berlin. Die wiederum informierten mich, dass ich das mit dem Hausarzt abklären sollte.

Meine Hausärztin (Allgemeinmedizin) schrieb mich dann vorsichtshalber für 2,5 Wochen krank, da ich aufgrund der MTX Einnahme zur Risikogruppe gehörte. Ich informierte meinen Arbeitgeber und blieb zu Hause.

In dieser Zeit erlebte ich viel und wenig zugleich. Eine Zeit vieler Nachrichten mit anderen, Telefonaten mit Menschen, mit denen man lange keinen Kontakt mehr hatte. Ich recherchierte viel im Internet über dieses Virus-die unsichtbare Gefahr, wie es Frau Merkel mal in einer ihren Sitzungen genannt hatte. Ich klatschte ein paar Mal um 21 Uhr auf meinem Balkon mit-es war mir etwas peinlich, allein auf meinem Balkon zu klatschen, aber ich tat es trotzdem, weil der Gedanke, dass andere Menschen während ich zu Hause blieb für uns alle einstanden mich wirklich sehr berührte. Tut es immer noch.

Ich habe in der Zeit viel über unsere Gesellschaft und über einzelne Menschen und Schicksale nachgedacht. Es war eine Zeit vieler Entbehrungen –aber auch vieler neuer Ideen, und Möglichkeiten.

Traurig und wütend hat mich das Verhalten anderer gemacht, wenn ich im Supermarkt stand und die Regale leer waren. Da hatte ich wirklich das erste Mal Angst und war beunruhigt wie es weitergehen wird. Aber auch ich habe mehr als sonst eingekauft.

Auch, dass ich meine Mutter, die in einem Pflegeheim lebt nicht mehr besuchen konnte, war schwer für mich. Ich schrieb ihr dann jede Woche einen Brief und schaute einmal vor ihrem Fenster vorbei (sie wohnt im 1. OG) worüber sie sich sehr freute.

Ich traf mich in der Zeit von März bis Juni sehr wenig mit anderen. Eine enge Freundin traf ich mit viel Abstand hin und wieder. Ansonsten ging ich einmal am Tag sparzieren und fing an zu laufen.

Ich sitze jetzt - einige Monate später - wieder an meinem Arbeitsplatz im Büro. Unsere Teilnehmer sind noch nicht wieder zurück. Mit einigen mache ich Termine vor Ort unter Einhaltung der Hygieneregeln oder telefoniere mit ihnen.

Meine Mutter darf ich jetzt einmal die Woche zu einer bestimmten Zeit für eine Stunde mit viel Abstand sehen. Meine Maske trage ich, aber nicht gerne. Es ist einfach zu warm unter dieser Maske.

Es ist jetzt Ende Juni und die schlimmste Zeit habe ich/wir überstanden. Das hoffe ich zumindest. Heute habe ich während ich in der U-Bahn saß, gelesen, dass die Neuinfektionen in Berlin wieder angestiegen sind, was mich etwas beunruhigt hat. In den Urlaub würde ich auch gern fahren-Urlaub am Strand, Urlaub ohne Maske, das wäre schön.

Welche Schlüsse ziehe ich aus der Pandemie?

…viele Teile der Gesellschaft haben gezeigt, dass der Zusammenhalt ausschlaggebend dafür ist, ob wir funktionieren oder nicht. Ich habe den Eindruck, dass wir als Gesellschaft mehr zusammengewachsen sind vielleicht sogar verstanden haben, dass jedes Mitglied wichtig und wertvoll ist und das große Ganze ausmacht.

Für mich persönlich bedeutete die Zeit, dass ich vieles, besonders meine Freiheit neu schätzen gelernt habe. Der Tag, an dem ich die Maske ablegen werde, wird ein besonderer sein. Ich habe vor der Pandemie mein Leben und vieles was ich täglich gemacht habe als selbstverständlich angesehen. Diese ganzen Beschränkungen, auch, wenn sie für viele Menschen gerade in Bezug auf das Einkommen und die Existenz verheerend waren, bedeutete für mich, dass ich jetzt eine andere Intensität meines Daseins erlebe. Die Pandemie hat mir auf eine andere, viel umfänglichere Art und Weise gezeigt, dass das Leben unberechenbar ist, unberechenbarer als es mir zuvor bewusst war, aber auch, dass ich die Fähigkeit besitze mich in schwierigen Situationen anzupassen und das Beste daraus zu machen.

Restaurant "Markt 11" in Wittstock

Karl-Kunger-Str. , Berlin

Ein Dorf in der Prignitz

Jetzt gibt es Gemüse aus dem Hof

Corona - ein EU-Problem?

Szene im Park

Ein Gedicht passend zur Zeit

Viele kleine Leute
an vielen kleinen Orten
die viele kleine Schritte tun,
können das Gesicht der Welt verändern.

Stefan Zweig

Zeit für Selbstversorgung

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READY TO UNMASK

bazazza